ANTIQUARIAT ROHLMANN
Erst- und Originalausgaben zur Architektur- und Design-Geschichte
Sammlung architektonischer Verzierungen, Riedel
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Riedel, H[einrich] C[arl].

Sammlung architektonischer äusserer und innerer Verzierungen für angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst. Heft 1-2 und 4-7 (von 8 Heften).

Berlin, auf Kosten des Heraus-gebers. 1803-1807.

Je Heft 1 Titelblatt, 6 Seiten Tafelerläuterungen und 6 Aquatinta-Kupfertafeln. (Heft mit 2 weiteren Seiten 'Vorbericht').

22 x 28,5 cm. Einfacher moderner Halbleinenband.

verkauft

Riedels 'Sammlung' läßt sich als die Berliner Antwort auf die in Leipzig verlegten Magazine und Stichwerke von Grohmann, Meinert, Becker und Stieglitz charak-terisieren. Berliner Architekten und Berliner Architektur und Zimmerverzierungen nehmen den größten Teil der Sammlung ein, wobei ein gegenüber den Leipziger Magazinen auffallendes Interesse an Fassaden und Fassadenteilen städtischer Wohngebäude zu beobachten ist. Riedels Werk ist das reichhaltigste publizierte Zeugnis der Berliner Architekturschule, des monumentalen Stils von Friedrich Gilly und - rechnet man die gotischen Entwürfe hinzu - der Architektur von Carl Gotthard Langhans. Zugleich ist sie auch das letzte Zeugnis für diese Architektur reduzierter Formen, bevor schließlich das Berliner und das preußische Bauwesen von Schinkel dominiert wurde. Vgl. die ausführliche Würdigung Riedels Werk in: Klaus Jan Philipp, Um 1800, Architekturtheorie und Architekturkritik in Deutschland zwischen 1790 und 1810, Seite 152ff mit zahlreichen Abb. Riedel hatte eine persönliche Vorliebe für eine überraschend farbige Architektur, die er zugleich in seinen Erläuterungen vertritt. Für farbige Abputze gibt er Rezepte bzw. Anweisungen für Abstufungen der Töne an Fassaden, auch bietet er fertig gemischte Farben zum Versand an. Seine Angaben zur Farbigkeit (und Vorfertigung!) der Ornamente sind unschätzbar für die Denk-malpflege. Der Praktiker Riedel hat mit diesem Werk Werk dem Gilly-Kreis ein Denkmal gesetzt, auch wenn seine eigenen Entwürfe z.T. mindernd wirken. Da unsere Vorstellung von klassizistischen Berliner Plätzen und Straßen noch immer von den hellen Schinkelbauten und Gärtners Veduten bestimmt wird, tritt hier eine gänzlich verlorene, weitgehend durch Erdfarben, "Bronze" und Eisen gestaltete Stadtarchitektur vor Augen. Vgl. Revolutionsarchitektur, Ein Aspekt der europäischen Architektur um 1800, Katalog, Frankfurt 1990, S. 339 und 108.

Sehr selten. Nur ein vollständiges Exemplar in einer deutschen Auktion seit 1950. (Zisska, München 2001,  Zuschlag DM 9500,-).

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